08. November 2009, Produkte

Nelly the elefant

So heißt diese elefantengraue, rüsselartige Stehlampe aus total herkömmlichem Material: 2 x Abwasserrohrbogen (90 Grad, Ø 50mm), 1 Abwasserrohr (Ø 50mm), 1 Abwasserrohr-T-Stück (110 × 110 × 50mm), 1 Kippschalter, 1 x LED (220V), Kabel mit Stecker. Laut Designer/Erfinder (Malo Gig, München) sind alle Zutaten im Baumarkt erhältlich. Folgendermaßen zusammengebaut, ergeben sie eine fantastisch formschöne Lichtquelle: „Das dicke Rohr des T-Stücks in der Mitte durchsägen (Lampenfuß). In das Rohr einen kleinen Auslass für den Kippschalter bohren, Kippschalter verkabeln und Kabel durch das Rohr, dann durch die beiden Rohrbögen führen. LED verkabeln und in den ersten Rohrbogen reindrücken. Rohre zusammensetzen.“

08. November 2009, Aktion

Mantel gegen soziale Kälte

Eine total sozialkompetente Idee: Obdachlose für den Winter mit gespendeten Mänteln zu versorgen. Land’s End, ein großer amerikanischer Bekleidungshersteller und -händler, hatte sie – und offenbar auch Geld genug, um eine Kampagne zu starten, die generell auf Probleme der Armut in Boston aufmerksam macht. Die Website zur Kampagne heißt „The Big Warmup“ und ist so grandios aufwendig gemacht, dass man sich fragt: Ist das vielleicht etwas zu schön für das bittere Thema? Etwas zu brillant in der grafischen Aufbereitung? Etwas zu sophisticated für Leute, die nur schnell helfen wollen? Egal, ob die Seite ein wirklich ernst gemeintes Fundraising-Tool ist oder vor allem Profilierung der Firma im Sinn hat: Die Idee „Spende einen Mantel für Obachlose“ ist es wert, nicht in Boston stecken zu bleiben.

08. November 2009, Kunst

9 Kamele gehen durch ein Nadelöhr

Willard Wigan macht Fragilkunst. Er schafft Skulpturen, die so winzig sind, dass sie in ein Nadelöhr passen. Zu den bis zu 0,008 Millimeter kleinen Miniaturen gehören: die komplette Familie Obama, eine Szene aus Alice im Wunderland, Buzz Aldrin samt Amerika-Flagge auf dem Mond, Darth Vader und andere Mitglieder der Star Wars Gang. In oft monatelanger Handarbeit „schnitzt“ Wigan die Skulpturen aus gezupftem Nylon oder sehr feinen Teppichfasern, aus kleinen Teilen von Kabelbindern oder aus Sand- und Staubkörnern. Dabei muss er ganz vorsichtig sein, seinen Herzschlag verlangsamen, seinen Mini-Diamantmeißel möglichst ohne Pulsschlag im Finger ansetzen. Und am besten gar nicht atmen. Denn: ein falscher, etwas zu heftiger Einatmer – und die Skulptur wird ins Innere von Wigans Nase gesogen und zerstört.

08. November 2009, Aktion

Relevanzfaktor Spaß

Die fun theory geht so: Spaß ist der einfachste, schnellste Weg, um menschliches Verhalten zum Besseren zu verändern. Die von Volkswagen gesponsorte Initiative dazu geht so: Entwickle spaßbetonte Ideen und Erfindungen zur Förderung des Umweltbewusstseins und gutmenschlichen Verhaltens – und schick sie bis zum 15. Dezember ein.

Es gibt bereits Ideen und Erfindungen wie diese: Der 08/15 Papierkorb: mit eingebautem Lautsprecher, mehrsekündigem Pfeifgeräusch, das suggeriert, der Dreck falle in einen tiefen Schacht. Oder die Treppe, die wie eine Klaviertastatur funktioniert: Sie erzeugt beim Stufensteigen Töne und soll so Passanten von der ungesunden Unart abhalten, im Zweifel lieber die Rolltreppe zu nutzen. Oder der Altglascontainer als geheimnisvoll blinkender Behälter: mit Display, das bei Benutzung daddelt wie ein Flipperautomat und jeden erfolgreichen Flascheneinwurf mit Punkten belohnt.
Topp sie!

07. Oktober 2009, Architektur

Das schönste Einpersonenhaus der Welt

„Hermit’s Cabin“ ist ein suburbanes Traumhäuschen. Außen märchenhaft hölzern und schön, ist es innen mit dem Nötigsten ausgestattet: 1 Ofen, 1 Boiler, 1 Bett, Tisch, 1 Stuhl, 1 Garderobe und 1 Regal. Der Designer Mats Theselius meint zu seiner architektonischen Grundsatzerklärung der Schlichtheit: „The Hermit’s Cabin raises the issue of the individual versus society, and of mankind’s fundamental need for solitude. It’s about our origins and our relation to nature from the perspective of the urban society. Therefore the cabin is filled with most of the things a person need rather than the religious notion of the aesthetic or the most basic. Here you can light a fire, eat, sleep, read, doze or quite simply do nothing.”
Passt ideal in einen großen Garten oder kleinen Wald.
www.smallhousestyle.comt

27. September 2009, Produkte

Große Recyclingkunst

Die Produktdesignerin Julia Lohmann lebt und arbeitet im Norden Londons. Sie gestaltet Sitzbänke in Kuhform (jeweils mit dem Leder eines einzigen Tieres bezogen) und Lampen aus getrocknetem Seetang oder konservierten Schafmägen. Sie macht Hä?-Design: Design, das irgendwie beunruhigende Fragen stellt. Zum Beispiel nach dem Respekt vor der Natur (und den sich in ihr tummelnden Tieren und Pflanzen). Nach dem Wert von Wesen. Nach der Flüchtigkeit unserer voll auf Verwertung getrimmten Gesellschaft. Schön ungemütlich. www.julialohmann.co.uk/work/gallery/flock/